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Oral-Poster-Präsentation

Metallographische Untersuchung eines Kupferflachbeils aus der Kupferzeit

Mittwoch (16.09.2020)
18:40 - 18:44 Uhr Metallographie

Die Kupferzeit in Europa begann etwa im 4. Jahrtausend v. Chr. als die Menschen metallisches Kupfer erzeugten. Die Kupfergewinnung erfolgte damals aus oxydischen Kupfererzen, da dieser Reduktionsschritt sehr einfach durchzuführen ist. Zu dieser Zeit gab es in Oberösterreich die sogenannte Mondseekultur mit ihren typischen Gegenständen aus Keramik oder Metall. Der bekannteste Mensch der Kupferzeit ist „Ötzi“, der bei seinem Tod auf einem Gletscher ein komplett erhaltenes Kupferbeil mit sich trug. Das hier untersuchte Kupferbeil stammt aus dem Burgenland und kann aufgrund seiner Form der Mondseekultur zugeordnet werden.

Eine RFA Analyse des Beils ergab nahezu reines Kupfer mit geringen Mengen an Ag, Pb und As. Die metallographische Präparation brachte ein sehr gleichmäßiges Cu-Cu2O Eutektikum zum Vorschein. Dies dürfte typisch für Kupfer der Mondseekultur sein. Das Cu2O ist lichtmikroskopisch leicht von Cu2S zu unterscheiden, da Cu2O im polarisierten Licht oder im Dunkelfeld rot aufleuchtet. Durch die Ätzmittel (NH4)2CuCl4- und Klemm 2 konnte das Gefüge gut entwickelt werden. Die Kupferkörner sind mit Durchmessern bis 400 µm eher grobkörnig. Es wurden nur einige Zwillingskristalle festgestellt, jedoch keine Verformungspuren, welche auf eine Weitervearbeitung des Beils durch z.B. Hämmern hinweisen würden.

Die Oberfläche des Beils ist mit einer etwa 100 µm dicken Patina gleichmäßig bedeckt, welche innen aus Cu2O und außen aus Malachit besteht.

Sprecher/Referent:
Prof. Dr. Roland Haubner
Technische Universität Wien
Weitere Autoren/Referenten:
  • Dr. Susanne Strobl
    Technische Universität Wien