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Vortrag

Mal schnell die Korngröße bestimmen ...

Donnerstag (17.09.2020)
11:20 - 11:40 Uhr

Mal schnell die Korngröße bestimmen, ...


... das kann schon mal 3 Jahre dauern. Aber nicht die eigentliche Bestimmung an sich dauerte so lange, sondern die vier Ringversuche dazu. Viele Eigenschaften von Metallen und Legierungen sind von der Mikrostruktur abhängig. So hat die Art der Phasen, deren Größe und Form, aber auch deren Verteilung und Anordnung im Gefüge Einfluß auf die physikalischen Parameter von Werkstoffen aus Kupfer und Kupferlegierungen. Die Bestimmung der Korngröße ist somit ein wichtiger Bestandteil in der Werkstoffkunde.


Es gibt viele Normen, die sich mit der metallographischen Korngrößenbestimmung beschäftigen. Für die Bestimmung der Korngröße von Kupferwerkstoffen finden in der Regel zwei Normen Anwendung, die DIN EN ISO 2624 (08/1995) und die ASTM E112 (2013). Dabei gibt es unterschiedliche Auswertestrategien. Während in der ASTM-Norm auf 28 Seiten die einzelnen Verfahren sehr ausführlich und manchmal auch leider etwas verwirrend beschrieben sind, enthält die DIN EN ISO 2624 auf ihren 9 Seiten überschauliche Vorgaben, die jedoch völlig ausreichen, um die Korngrößenbestimmung durchzuführen. Die DIN EN ISO 2624 macht aber keine Aussagen zur Meßunsicherheit der einzelnen Verfahren. Die Angabe der Meßunsicherheit ist aber gefordert, wenn ein Verfahren der DIN EN ISO 2624 in einem Laboratorium nach DIN EN ISO/IEC 17025 (2018) akkreditiert ist. Weiterhin muß das Laboratorium anhand von offiziellen Ringversuchen die Fähigkeit zur Durchführung dieser Verfahren nachweisen.


Für die Bestimmung der Korngröße nach DIN EN ISO 2624 gab es jedoch keinen Anbieter von Ringversuchen. Aus diesem Grund wurde 2017 ein eigener "kleiner" Ringversuch im GDMB-Chemikerausschuß mit insgesamt 9 Laboratorien angestoßen, um die Meßunsicherheit eines vermeintlich einfachen Verfahrens, nämlich dem "Linienschnittverfahren" zu ermitteln und um den nach der Akkreditierung geforderten Eignungsnachweis zu erfüllen. Resultierend aus dem "Aha-Effekt" des ersten Ringversuches ergaben sich über die Jahre hinweg insgesamt drei weitere Ringversuche mit unterschiedlichen Materialien. Die Ergebnisse aus den Ringversuchen, die Erfahrungen und letztendlich die Ableitung zur Abschätzung der Meßunsicherheit des Linienschnittverfahrens sind Gegenstand des Vortrages.

 

Sprecher/Referent:
Dr. Michael Ebner
Wieland-Werke AG
Weitere Autoren/Referenten:
  • Heidi Ritsche-Thoma
    Wieland-Werke AG
  • Judith Bayerl
    Wieland-Werke AG