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Oral-Poster-Präsentation

Untersuchung der Gefügeveränderungen beim Tiefziehen von gewalzten Aluminiumblechen

Mittwoch (16.09.2020)
18:36 - 18:40 Uhr Metallographie

Die fertigungstechnischen Besonderheiten beim Tiefziehen, insbesondere im Hinblick auf die Zipfelbildung, wurden seit den 1950er Jahren sehr gründlich untersucht. Auch der Einfluss von Wärmebehandlungen auf die Texturen in den für das Tiefziehen vorgesehenen Blechen ist gut erforscht. Bei der Herstellung von tiefgezogenen Bauteilen aus Aluminiumblechen ist es von größter Bedeutung die besonderen (anisotropen) Eigenschaften des gewalzten Blechs genau zu kennen. Ursächlich entstehen diese durch eine Textur des kubisch-flächenzentrierten Kristallgitters, welche Einfluss auf Festigkeit, Umformbarkeit und auch Ätzverhalten hat. Durch gezielte Wärmebehandlung des Blechs verändert sich die Textur aufgrund von Rekristallisations- und Kornwachstumsprozessen und beeinflusst die resultierenden Eigenschaften. Zu diesen Vorgängen gibt es von der metallographischen Seite bisher nur wenig Literatur aus jüngerer Zeit. Moderne Untersuchungsmethoden wie zum Beispiel die EBSD-Analyse liefern wichtige Erkenntnisse zur Ausprägung der Texturen sowie deren Veränderung in Abhängigkeit der Prozessparameter.

In einer Untersuchungsreihe im Rahmen eines studentischen Materialographieprojekts werden verschiedene Modellproben tiefgezogener Aluminiumbleche mit metallographischen und analytischen Methoden (Schliffpräparation, verschiedene Ätzungen, Lichtmikroskopie, REM-EBSD) untersucht und hinsichtlich ihrer Textur verglichen.

Dabei zeigt sich unter anderem, dass die EBSD-Analyse wesentlich mehr Informationen zur Textur liefert als die lichtmikroskopische Untersuchung mit der bisher häufig verwendeten anodischen Ätzung nach Barker. In früheren Untersuchungen wurden die Texturen mit Röntgenfeinstruktur-Analysen bestimmt, jedoch war das nicht annähernd korrelativ und nur in einem sehr begrenzten Probenbereich möglich. Mithilfe von EBSD-Mappings lassen sich die Texturen ortsaufgelöst und mit etwas Geduld auch korrelativ zur Lichtmikroskopie bestimmen. So können noch mehr Erkenntnisse über den Zusammenhang der Textur und der Zipfelbildung in verschiedenen Bauteilbereichen gewonnen werden.

Sprecher/Referent:
Gaby Ketzer-Raichle
Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft
Weitere Autoren/Referenten:
  • Tvrtko Grubesa
    Hochschule HTW Aalen
  • Elvira Reiter
    Hochschule HTW Aalen
  • Friederike Bee
    Hochschule HTW Aalen
  • Rebecca Kästner
    Hochschule HTW Aalen
  • Tobias Valeri
    Hochschule HTW Aalen
  • Prof. Dr. Burkhard Heine
    Hochschule HTW Aalen
  • Prof. Dr. Gerhard Schneider
    Hochschule HTW Aalen